Samstag, 20. Dezember 2014

Marie Wissner und Kristin Ruf - Nilgiris, Tamil Nadu, Indien




In den Nilgiris beim CTRD - Na, habt ihr schon gegessen?


Das war mit eine der Fragen, die uns am häufigsten gestellt wurde. Mehr dazu aber später.
Nachdem wir in Pondicherry 6 Wochen fleißig Tamil gelernt (siehe vorheriger Blogbeitrag), und bei mindestens 35 Grad auch prächtig geschwitzt haben, ging die Reise auch für uns weiter, dieses Mal in die Nilgiris, die Blue Mountains. Von Pondicherry aus nahmen wir zunächst einen Bus nach Chennai, von dort aus dann einen Sleeper Bus, der uns direkt nach Ooty brachte, die höchstgelegene Stadt der Nilgiris.

Die Nilgiris sind die höchsten Berge Tamil Nadus, erstrecken sich außerdem noch über Kerala und Karnataka. Über die Nilgiris war uns zuvor nicht allzu viel bekannt, außer, dass es hier eine hohe Elefantenpopulation geben sollte. 

Schon in der 12Stündigen Fahrt im Bus wurden wir immer aufgeregter und haben uns gefragt was uns wohl erwarten wird. Gegen Ende der Fahrt, als wir gegen 7 Uhr morgens aufwachten und einen Blick aus dem Fenster warfen schlug unsere Stimmung sofort um. Von Müdigkeit und Anstrengung war keine Spur mehr, der Anblick war überwältigend. Über schmale Straßen schlängelten wir uns die Berge hinauf  und die Morgensonne legte einen warmen Schleier über die grünen Hänge, die nun überall zu sein schienen. Das Wetter hielt leider nicht allzu lange und wurde grauer, je näher wir an Ooty herankamen. Die grünen Hänge sahen nun mit jeder Minute mehr Bevölkert aus und wir merkten dass wir bald am Ziel sein mussten. In Ooty ereilte uns dann ein kleiner Schock als wir aus dem Bus blickten; Fast jeder hatte hier eine dicke Jacke, Mütze und Schal an! Wir waren noch immer auf das heiße Pondy eingestellt und fragten uns ob wir wohl falsch gepackt hatten. Als wir dann aus dem Bus stiegen überkam uns Erleichterung. Die Einheimischen haben wohl ein anderes Temperaturempfinden als wir, für uns war die Temperatur nach der Hitze perfekt und wohltuend. So schlenderten wir also mit unseren Sandalen und  ¾ Ärmlingen Chudidas durch die Menschenmasse an Mützen und Schalträgern,  hin zu unserem Hotel, in dem wir eine Woche blieben um uns an das Klima der Nilgiris zu gewöhnen. Nachdem wir in dieser Woche, einiges von Ooty und Umgebung gesehen hatten (inklusive einer ziemlich unbeeindruckenden Papierblumenausstellung, nach der hier alle ganz verrückt sind) ging es dann weiter in ländlichere Gefilde: nach Eallamanna zum CTRD (Center for Tribal and Rural Development). 



Die Fahrt dorthin  (ca. 5 Stunden von Ooty mit dem Bus nach Gudalur und von dort weiter mit dem Jeep, der von unserem Chef Herr Ranganathen organisiert wurde war aufregend und uns fiel sofort die wunderschöne Landschaft auf. Wir genossen selbst die holprige Busfahrt über die Straßen die der Mondoberfläche ähneln, denn der Blick aus dem Fenster entschädigte dafür. Wir schienen immer Tiefer in den Dschungel der Nilgiris zu kommen und so weit das Auge reicht waren die grünen Hänge zu sehen, die vor allem mit Palmen, Bäumen mit roten Blüten und besonders Tee bewachsen waren.

Tee.
Die Tee Pflanze spielt eine besonders wichtige Rolle in den Nilgiris. Sie ist nicht nur wichtig für den intensiven Tee Konsum der einheimischen Bevölkerung, sie ist vor allem auch eine Einnahmequelle. Auf dem Weg zum CTRD kamen wir also auch an vielen Teeplantagen vorbei in denen Zahlreiche Menschen beschäftigt waren, die damit ihren Lebensunterhalt verdienen
An einem Sonntagmittag kamen wir dann auf dem Campus des CTRD an. Dieser liegt ziemlich abgeschieden inmitten der wunderbaren Flora und Fauna der Nilgiris. Da sonntags Ruhetag ist, war kaum jemand da und  so hatten wir die Möglichkeit uns ein wenig umzusehen und uns mit unserem Zimmer und dem Gelände bekannt zu machen. Der Campus besteht aus einem Guesthouse, einigen Gebäuden für Microfinance Training und dem Hauptoffice, in dem üblicherweise gearbeitet wird. Montags konnten wir dann ausgeruht mit der Arbeit beginnen und den CTRD und deren Mitarbeiter kennen lernen. Wir wurden hier zunächst von dem Sohn des Chefs in das Schaffen des CTRD eingewiesen. So lernten wir, dass sich dieser seit 26 Jahren für die in den Nilgiris einheimischen Stämme wie zum Beispiel der  Panya oder Kattunayakan einsetzt, alles ursprünglich von unserem Chef Herr Ranganathen ausgehend. Der CTRD sorgt für verbesserte Lebensumstände und Rechte der Abgeschiedenen Tribes durch verschiedene Programme wie das Bauen von stabileren Häusern, Biogasanlagen für Einkommen und Gas zum kochen, Betreuung von Selbsthilfe Gruppen um die Frauen zu stärken und natürlich auch Projekte zu Gesundheit und Bildung.
 
Tribal Village




Nachdem wir also eingewiesen wurden, wurde uns überaschenderweise, nachdem wir unsere Interessen mitgeteilt hatten, ein detaillierter Arbeitsplan vorgelegt. Kristin sollte sich danach mit  den Bio-Gasanlagen beschäftigen und ich mich mit den Selbsthilfegruppen für Frauen. Der Plan sah unter anderem, vor Case Studies zu erstellen, Interviews zu führen oder persönliche Profile zu erstellen. Außerdem auch ein Area-Mapping der Region durch GPS, sowie das Filmen eines kurzen  Dokumentarfilms zum jeweiligen Thema. Wir können kaum beschreiben wie sehr uns ein solcher Arbeitsplan überrascht und gleichermaßen motiviert hat. Wir haben damit gerechnet gewissermaßen 6 Wochen unwichtige Aufgaben zu bekommen (auf Kaffee kochen wurden wir vorbereitet) und kaum etwas bewirken zu können. Wir gingen also motiviert an die Arbeit, führten ein Arbeitstagebuch und fuhren regelmäßig in die Dörfer um Interviews zu führen oder einfach zu Beobachten. So konnte Kristin einige Bio-Gasanlagen betrachten und Familien kennenlernen und ich mir die Treffen der Selbsthilfegruppen anschauen und teilnehmen. Die ersten Wochen hat das wunderbar funktioniert, wir hatten auch bereits begonnen zu filmen. Nach und nach verlangsamte sich die Arbeit aber leider. Vor allem durch ein großes Problem: das kaum vorhandene INTERNET!  Der eigentliche Arbeitsplan wurde oft dadurch gestoppt, dass es wichtigeres zu tun gab. Vor allem das Finden neuer Finanzierungen für kommende oder laufende Projekte, erstellen von PPT Folien für bestimmte Trainings oder das Bearbeiten oder Schicken einiger Projektanträge. Das alles wurde durch das kaum vorhandene Internet aber ziemlich ausgebremst und so verloren wir viel Zeit an das warten und ärgern. Wir wurden dann mit anderen Dingen beschäftigt, die uns aber nicht so wichtig erschienen sondern mehr als Unterhaltung für uns. Das hat die Motivation natürlich etwas getrübt. So Bestand unser Arbeitsalltag aus gelegentlichen, später abebbenden Feldbesuchen in verschiedenen Dörfern oder der Arbeit im Office. Gegen 13 Uhr gab es Lunch (Jeden Mittag Reis mit Sambar und verschiedenen Beilagen). Kehrten wir mit vollem Magen wieder zurück ins Office wurde uns beinahe von jedem nur eine Frage gestellt: Saappidiingalaa? – Habt ihr gegessen? So gehört sich das hier so und es spricht für die freundliche und aufmerksame Natur der Tamilen.

Nach einer (langen) Weile waren wir dann aber erfolgreich und es hat doch noch alles so funktioniert wie wir uns das vorgestellt hatten. Im Großen und Ganzen war die Zeit beim CTRD also durchaus fruchtbar, mit ein paar kleinen Abstrichen. Dazu zählt besonders unsere Unterkunft, die eigentlich kaum zu wünschen übrig ließ, leider allerdings (und das geht hier leider kaum anders durch die Witterung und das Wetter) stark schimmelte. Die Wände waren sehr mit Schimmel benetzt, sodass sogar unser Reisepass mit Sporen überdeckt war und wir uns gegen Ende der Zeit einbildeten dadurch schneller Krank zu werden (Ohrenschmerzen, Erkältungen etc). Wir nahmen uns das aber nicht sehr zu Herzen und machten eher Witze darüber, als dass uns das ernsthaft störte. Die Zeit hier war vor allem durch die freundlichen Mitarbeiter, die immer ein offenes Ohr für unsere  Ideen und auch Sorgen hatten etwas ganz besonderes. Auch Herr Ranganathen war uns ein Mentor und hat uns in jeder Situation weitergeholfen. Nun ist die Zeit hier fast zu Ende und wir müssen den CTRD trauriger weise hinter uns lassen. In einer Sache sind wir uns allerdings sicher; das war bestimmt nicht unser letzter Besuch hier!


Marie Wissner und Kristin Ruf

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